Merlin


Geboren: *04.06.2006
Rasse: Noriker
Stockmaß: 1,57m
Bei mir seit: 07.08.2014
Charakter: ruhig, selbstbewusst, motiviert
Krankheiten: PSSM1 Genträger, Arthrose in den vorderen Hufgelenken

2019
Merlin voll im Training nach den Grundsätzen der fn-Reiterei. Regelmäßig im Unterricht auch auch in Beritt.

2022
Merlin nach 1,5 jahren konsequenter klassischer Arbeit. Bilder sagen hier mehr als Worte.

Unsere Geschichte


2014

Im Sommer 2014 erfüllte ich mir den Traum vom eigenen Pferd und kam durch Kleinanzeigen auf Merlin. Es war Liebe auf den ersten Blick und so zog Merlin im August in den Stall, an dem ich bis zu seinem Kauf eine Reitbeteiligung hatte. Doch das neue Leben als Pferdbesitzer hat so seine Tücken und nachdem ich meine rosarote Brille endlich los war, habe ich auch schnell gemerkt, dass ich durch mein eher unkonsequentes Verhalten mit Leckerlies Merlin das Schnappen beigebracht hatte. Und nun? Ihn von heute auf morgen für etwas zu bestrafen, was ich ihm unterbewusst beigebracht hatte, schien mir sehr unfair. Schnappen geht natürlich trotzdem gar nicht, also musste eine Lösung her und so kam ich zum Clickertraining. Für mich ist diese Trainingsform die einzige Art, sinnvoll mit Futterlob zu arbeiten und wir haben hierdurch viele Dinge sehr effektiv und schnell erarbeiten können. Reiterlich war Merlin zu diesem Zeitpunkt sehr schief und unausbalanciert. Galoppieren auf dem Platz war zum Beispiel nicht möglich, das haben wir zunächst nur im Gelände geübt. Auch Führen war anfangs schwierig, da Merlin gerne die Führung übernimmt. Dies haben wir jedoch bei zahlreichen Spaziergängen erfolgreich üben und erarbeiten können.

2015

Merlin entpuppte sich im Offenstall als sehr ranghohes Pferd, was in den Herdenkonstellationen bei uns am Stall einfach nicht klappte, weswegen wir den Stall gewechselt haben. Ebenfalls wieder ein Offenstall (Aktivstall), aber mit für Merlin besserer Herdenzusammensetzung. Ich habe viel Reitunterricht bei verschiedenen Trainern genommen, um mit Merlin weiter zu kommen. Nach gut 1 Jahr Training konnten wir endlich auf einer großen Zirkellinie galoppieren - ein Meilenstein! Doch Merlin war immer sehr schwer auf der Hand. Von Außen sah es "hübsch" aus, doch oftmals war Reiten ein Kraftakt. Außerdem haben wir in diesem Jahr erfahren, dass Merlin Genträger der Stoffwechselerkrankung PSSM1 ist und somit auch einen gestörten Stoffwechsel hat. Um es vereinfacht zu sagen: Er sollte in Folge dessen nur so viel Energie in Form von Kohlehydraten zu sich nehmen, wie er auch verbraucht. Ergo haben wir die Fütterung getreidefrei umgestellt und ihn fortan nahezu täglich bewegt. Mit diesem Konzept kommen wir bis heute gut mit dieser Krankheit klar.

2016

Wir arbeiteten weiter nach den Grundsätzen der fn und Merlin lief auch gut, wir machten Fortschritte und ich habe angefangen mich mehr/ intensiver mit der Bodenarbeit, speziell im Bereich Horsemanship, zu beschäftigen. Dies hat uns beiden sehr viel Spaß gemacht und unsere Beziehung nochmal deutlich intensiver gemacht.
Ende des Jahres sind wir dann von Bayern nach Brandenburg gezogen, was ein ziemliches Abenteuer für uns war. Merlin hatte dem Umzug jedoch ganz gut verkraftet und wir lebten uns im neuen Zuhause ein.

2017

Im Frühjahr hatten wir erstmals mit einer undefinierten Lahmheit zu tun, die also keinen erkennbaren Grund (Eisen abgetreten ode Ähnliches) hatte. Nach 3 Tierärzten hatten wir dann die Diagnose Hufgelenksentzündung. Dieses Thema sollte uns die nächsten Jahre leider immer wieder begleiten. Wir haben mit Cortison (als Spritze ins Gelenk) auf Anraten des Tierarztes behandelt und es wurde auch besser. Im Sommer haben wir aufgrund zwischenmenschlicher Differenzen den Stall gewechselt und nachdem Merlin wieder gut lief, das Training wieder aufgenommen. Doch es war nicht unser Jahr. Trotz ausreichend Futter und täglichem Training baute Merlin ab. Nach langer Suche haben wir die Ursache schließlich gefunden: Er war verwurmt, trotz regelmäßiger Wurmkur. Nachdem wir die Ursache kannten, konnten wir gegensteuern, doch standen wir trainingstechnisch wieder am Anfang und hinzu kam, dass Merlin zum Jahresende wieder anfing zu lahmen. Wieder eine Hufgelenksentzündung. Wieder haben wir mit Cortison und zusätzlich mit Hyaluronsäure behandelt. Es wurde zunächst besser und wir konnten in Abstimmung mit Tierarzt und Physiotherapeut das Training wieder aufnehmen.

2018

Bereits nach wenigen Monaten fing Merlin wieder an zu lahmen. In diesem Zuge fiel dem Tierarzt und mir erstmals auf, dass Merlins Hufe eine deutliche Fehlstellung aufwiesen. Unser damaliger Schmied hat sein Bestes gegeben, konnte Merlins Fehlstellung jedoch nicht ausreichend korrigieren, weswegen wir den Schmied gewechselt haben, was sich als katastrophaler Fehler herausstellte. Denn der zweite Schmied hatte Merlins Fehlstellung noch verschlimmert, wodurch er nicht nur schief, sondern auch deutlich zu eng stand. Das er zu diesem Zeitpunkt lahm war ist an dieser Stelle wohl kaum überraschend. Ein erneuter Röntgen-Befund ergab zudem eine beginnende Arthrose im Hufgelenk. Aus reiner Verzweiflung haben wir uns an einen Huforthopäden gewandt, den mir ein Bekannter empfohlen hatte. Im Oktober haben wir schließlich aus reiner Verzweiflung die Eisen runter nehmen lassen und Merlin auf Barhuf umgestellt. Unter den Eisen kamen auch zahlreiche Hufgeschwüre zum Vorschein und Merlins Gangbild verbesserte sich bereits einen Tag nach der Eisenabnahme (auf weichem Boden) deutlich. So tasteten wir uns mit viel Bodenarbeit (Horsemanship) und Longieren (nach fn) wieder ans Training ran.

2019

Aufgrund der Umstellung hat unser Huforthopäder erst mal Reitverbot ausgesprochen, also ging es weiter vom Boden aus, mit mäßigem Erfolg.
Im Frühjahr kam dann der nächste Schicksalsschlag. Ein Anruf aus dem Stall "Dein Pferd kommt nicht mehr aus der Box!" - ich habe sofort den Tierarzt alamiert, welcher auch gleich mit einem fatalen Verdacht kam: Hufrehe! Zum Glück konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden, denn sowohl seine schnelle Genesung (bereits nach 2 Tagen mit Schmerzmittel und Entzündungshemmer lief er wieder deutlich besser), als auch die Röntgenbilder, die wir nach 14 Tagen haben machen lassen, wiesen keine Anzeichen einer Reheveränderung auf. Es handelte sich wohl "nur" um eine Lederhautentzündung der Sohle durch Überlastung, da Merlin am Tag zuvor etwas viel über die Weide getobt ist. Dann ging es langsam wieder bergauf mit dem Training. Dank Hufschuhen konnten wir das Gelände unsicher machen und auch langsam wieder reiten. In den Phasen, in denen wir trainieren konnten, habe ich regelmäßig Unterricht genommen, Merlin war auch zeitweise in Teilberitt und wurde zudem regelmäßig von Physiotherapeuten durchgecheckt.

2020 

Wenn man denkt, man hat jetzt alles Schlimme durch und es geht endlich bergauf, dann passiert eines der folgenden Dinge: Entweder es geht wirklich bergauf und alles wird gut oder eben nicht. Tja, wir waren noch nicht an dem Punkt, an dem alles wieder gut wird, sondern standen vor einem Abgrund! Als Merlin lahmte war es anders. Wo er sonst nur einen Taktfehler im Trab zeige, war er nun bereits im Schritt lahm. Ich habe schon damit gerechnet, dass der Tierarzt nach einer erneuten Röntgendiagnostik keine guten Nachrichten für mich hat, doch was dann kam, zog mir den Boden unter den Füßen weg: Die Arthrose hat sich deutlich verschlechtert und Merlin ist nicht mehr trainierbar und soll in Rente gehen, mit noch nicht einmal 14 Jahren. Ich könne froh sein, wenn er ohne Medikation nochmal schmerzfrei auf der Wiese stehen kann, mit mehr bräuchte ich nicht rechnen. Natürlich will man eine solche Prognose nicht wahr haben und holt weitere Meinungen ein. Doch auch andere Tierärzte haben mir keine Hoffnung gemacht, einer sprach sogar davon, Merlin einzuschläfern, wenn er ohne dauerhafte Medikation nicht schmerzfrei wäre.
Ich war am absoluten Tiefpunkt!
Doch für meinen Mann und mich war klar, dass wir alles dafür geben, um Merlin ein möglichst schönes und schmerzfreies Pferdeleben zu ermöglichen. Wir haben ihn in einen Offenstall gestellt, damit er sich so viel bewegen kann, wie er möchte und konnten nach einigen Monaten sogar die Medikamente weg lassen. Im Schritt lief er so weit gut, der Trab war jedoch nach wie vor nicht taktrein. Hinzu kam, dass es ihn psychisch sehr mitgenommen hat, dass wir nicht mehr wirklich was mit ihm machen konnten. Natürlich war ich fast jeden Tag am Stall, habe ihn geputzt und auch ein paar Minuten Führtraining im Schritt gemacht, aber er wurde immer unausgeglichener und wirkte unzufrieden. In Absprache mit dem Tierarzt haben wir wieder mit kleinen Spaziergängen angefangen, doch Auslastung sieht anders aus. Merlin was schlichtweg unterfordert. Doch was sollte ich machen? Ich wollte seinen Zustand ja nicht verschlimmern und war froh, dass er sich zumindest im Offenstall schmerzfrei bewegen konnte.
Nicht nur Merlin machte die Situation zu schaffen, auch mir. So habe ich mich im Sommer entschieden, ein Nachwuchspferd dazu zu holen, da mir die Arbeit mit den Pferden einfach fehlte. So kam Loki (damals 2 Jahre alt) zu uns. Ich wollte alles besser machen und mich gerade für die Aufgabe der Jungpferdeausbildung weiterbilden. So kam ich auf Online-Seminare von Sandra Fencl, die mich schließlich auch dazu ermutigte, mit Merlin nochmal in der Bodenarbeit weiter zu machen. Dank dieses Kurses ist Merlin nicht nur mental wieder aufgeblüht - er hatte wieder eine Aufgabe - sondern auch körperlich. Bereits nach wenigen Monaten hat sich sein Gangbild signifikant verbessert und zum Winter hin lief er im Trab wieder annährend lahmfrei! Durch die lange Krankheitsphase hatte er natürlich eine Schonhaltung entwickelt, welche jedoch immer weniger zum Ausdruck kam.
Über die Wintermonate mit für unsere Region ungewöhnlich viel Schnee hatten wir natürlich auch Phasen, in denen Merlin wieder etwas schlechter lief. Dies haben wir jedoch mit Pausen und entsprechender Medikation gut in den Griff bekommen. Die Arthrose bleibt nunmal und geht nicht mehr weg. Das wird gerade bei nasskaltem Wetter immer wieder zu Problemen führen, doch unterm Strich hatten wir in diesem Winter nur 3 jeweils 2 Wochen andauernde Arthrose-Phasen und kamen ansonsten sehr gut durch den Winter.
Zu Weihnachten erlebte ich dann mein persönliches kleines Weihnachtswunder: In Absprache mit dem Tierarzt saß ich nach fast 1 Jahr wieder auf Merlins Rücken. Nur 5 Minuten im Schritt, doch dieser Moment bedeutet mir noch immer so viel. Nie hätte ich damit gerechnet, nochmal an diesen Punkt mit Merlin zu kommen.

2021

Im Frühjahr sind wir mit beiden Pferden wieder zurück an unseren alten Stall gezogen, wo wir vor Merlins Rente standen. Hier sind die Trainingsmöglichkeiten deutlich besser und wir hatten die Möglichkeit, beide Pferde weiterhin im Offenstall halten zu können. Merlin entwickelte sich wunderbar und so bin ich Ende März erstmals zu Nadja Krumbiegel nach Berlin gefahren, um mit Merlin bei ihr zu trainieren. Wir haben vor allem Handarbeit auf Trense gemacht und erst zum Ende der Einheit bin ich aufgestiegen, um noch ein paar Minuten im Schritt zu reiten. Das klappte scheinbar so gut, dass Nadja am Ende auch den Trab sehen wollte. Ich zögerte, war ja schon auf Wolke 7, dass ich 10 Minuten Schritt reiten konnte... Doch sie ermutigte mich und dann sind wir getrabt, ohne Lahmheit, ohne Schmerz. Noch vor 1 Jahr wurde mir der Boden unter den Füßen weggerissen und nun trabe ich auf dem "nicht mehr trainierbaren" Pferd? Es war so surreal.
Alle 1 bis 2 Monate bin ich fortan zu Nadja gefahren und habe zudem meinen mittlerweile 3. Online Kurs bei Sandra angefangen.
Aus geteilten Einheiten bestehend aus Handarbeit und Reiten wurden ganze Einheiten. Zunächst im Schritt mit allen möglichen Seitengängen und schließlich auch im Trab. Merlin trägt sich mehr und mehr selbst und ist so leicht geworden, dass ich kein Gewicht mehr auf der Hand hatte, was bei seinem Riesenschädel echt ein Wunder ist. Ich bin Sandra und Nadja so unglaublich dankbar, da beide mich dazu ermutigen, über mich hinaus zu wachsen und mir keine Grenzen zu setzen, die nur in meinem Kopf existieren.
Seit kurzem reite ich Merlin auf Kandare und wir arbeiten auch in kleinen Schritten am Galopp. Er geht alle Seitengänge sowohl vom Boden aus, als auch unterm Sattel im Schritt und Trab. Teilweise noch nur in Ansätzen, aber dennoch besser, als ich es je erwartet hätte, selbst vor der Prognose im Frühjahr 2020. Wir haben jetzt schon mehr erreicht, als ich je zu Träumen gewagt hätte und ich freue mich auf die Zukunft!

2022

Nach einem Jahr Training bei Nadja Krumbiegel haben wir uns vom Schrittreiten mit ersten zögerlichen Trabtritten unterm Reiter so enorm entwickelt. Aktuell arbeiten wir am Außengalopp und festigen weiter die Seitengänge im Schritt und Trab.
Trotz eines kleinen Rückschlags im Früh-Sommer (Merlin hatte sich vermutlich vertreten, was zu einem Arthrose Schub führte), bleiben wir weiter dran, da ich merke, wie gut Merlin die Arbeit tut. Auch von unserer Osteopathin wurde Merlins muskulärer Zustand sehr gelobt, ebenso wie die gesamte körperliche Entwicklung. Wir haben außerdem Kontroll-Röntgenbilder der Vorderbeine machen lassen, die zeigen, dass sich die Gelenkstellung im Bein deutlich verbessert hat. Arthrose wird man natürlich nicht mehr los, doch wir können alles geben, damit es sich nicht weiter verschlimmert.

Über den Sommer hat sich Merlin enorm entwickelt und ich setzte ihn auch als Schulpferd ein - er ist ein großartiger Lehrmeister und verzaubert mit seinem Charme Groß und Klein.
Auch ich habe nochmal viel mit und von ihm gelernt und so konnten wir uns nach ersten Schwierigkeiten erste Ansätze einer Piaffe erarbeiten.

Mit dem Jahr 2022 endet Merlins und meine gemeinsame Zeit.
Ich werde mich beruflich verändern und kann beiden Pferden nicht mehr gerecht werden. Ich ziehe 2023 von der Lausitz ins Allgäu , doch Merlin bleibt und hat bei meiner Reitbeteiligung und ihrer Familie SEINE neue Familie gefunden - einen besseren Platz hätte ich mir nicht für ihn wünschen können!

hk pferdetraining

Katharina Haase
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